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Eine Rolltreppe

Eine absurde Ausgangslage, die an locker jedes Hollywood-Szenario heranreicht

Alter:
Erwachsene

Personen:
ab 4 Personen
2D, 2H

Dauer:
Kurzstück

Uraufführung:
November 2010
Drama Slam / Kabelwerk Wien

Mit diesem – scheinbar unmöglich aufzuführenden – Kurzstück gewann Raoul Biltgen 2010 die Drama Slam IX.

Schon mal vorgestellt, Sie bleiben plötzlich auf einer Rolltreppe stecken? Weil sie nicht mehr rollt?

Ausgehend von der Annahme, dass dies möglich ist, deckt das Stück „Eine Rolltreppe“ die Verhaltensweisen von vier Menschen auf, die auf einer stehengebliebenen Rolltreppe gefangen sind. Das Absurde an dieser Situation parodiert und hinterfragt sämtliche Klischeevorstellungen, die man von Film und Fernsehen her kennt. Es gibt psychologische Zusammenbrüche, große Liebe und abgrundtiefer Hass, dramatische Rettungsaktionen, intellektuelle Erklärungen für den tieferen Sinn in einer solchen Lage, ganz banale aber auch aberwitzige Versuche, aus dieser Notlage auszubrechen. Ein junges Paar und eine Angestellte setzen all ihre Hoffnungen auf den Techniker, der ihnen zu Hilfe kommt. Aber ist dieser überhaupt in der Lage, eine Situation aufzulösen, die es gar nicht geben kann?

Aufführungsrechte: Thomas Sessler Verlag

Auszug


Plötzlich bleiben beide Rolltreppen stehen. Alle vier schauen sich um. 2 ist besorgt, B neutral, gehalten. Stille. Alle bleiben stehen, wo sie stehen.
1: Was jetzt?
A: Keine Ahnung. – Wir warten.
Stille.
1: Was jetzt?
A: Keine Ahnung. – Wir warten.
Stille.
1: Worauf?
Stille.
1: Worauf?
A: Bitte?
1: Worauf wir warten.
A: Keine Ahnung. Dass was passiert. Dass es jemandem auffällt, dass die Rolltreppe steht. Und dass dann halt jemand kommt und die Rolltreppe wieder zum Rollen bringt, nicht? Ich mein… Dass jemand kommt und die Rolltreppe zum Rollen bringt. – Was sollten wir sonst tun?
1: Ich weiß es nicht.
A: Ah.
Stille.
1: Wir könnten die Notrufnummer anrufen.
Stille.
1: Wir könnten die Notrufnummer anrufen. Jemandem Bescheid sagen. – Nein?
A: Doch. – Doch. Rufen wir die Notrufnummer an.
1: Ja.
A: Wie lautet die Notrufnummer?
1: Das weiß ich nicht.
1 und A schauen sich nach einer Notrufnummer um. B steht weiterhin unverändert da. 2 ist nervös, ignoriert aber die anderen auf der Rolltreppe.
1: Doch.
A: Und zwar?
1: Da.
1 zeigt nach unten an den Fuß der Treppe, wo eine Notstopptaste mit Instruktionen und einer Telefonnummer ist.
A: Wo da?
1: Na da halt, da unten. Am Ende der Treppe.
A: Ich seh nichts.
1: Dann schau halt hin.
A: Ich seh da keine Notrufnummer.
1: Doch.
A. Nein.
1: Doch.
A. Nein.
1: Doch.
A: Wenn ich dir sage, dass ich da keine Notrufnummer seh, dann seh ich da keine Notrufnummer, meingott, wenn ich keine seh.
1: Da ist aber eine.
A: Ich seh aber keine.
1: Doch.
A laut: Ich seh sie nicht.
1: Bitte schrei jetzt nicht.
A: Wenn du mir nicht glaubst.
1: Du glaubst mir ja nicht.
A: Ich glaube dir, aber ich für meinen Teil seh sie nicht.
1: Aber sie ist da.
A: Wo?
1: Da.
A: Wo da?
1: Beim Notstopphebel.
A: Was für ein Notstopphebel? – Oh. Ja. Ich seh sie.
1: Aber mich anschreien.
A: Ja dann ruf sie an.
1: Ich hab mein Handy nicht dabei.
A: Warum erzählst du mir dann was von einer Notrufnummer, wenn du dein Handy nicht dabei hast?
1: Du wolltest wissen, ob es da eine Notrufnummer gibt und ich hab dir gesagt, es gibt dort eine Notrufnummer. Ich hab nicht gesagt, dass das jetzt die Lösung aller Lösungen ist.
A: Und was hab ich davon, wenn da unten eine Notrufnummer ist, wenn du dein Handy nicht dabei hast?
1: Nimm doch deins.
A: Ich hab mein Handy auch nicht dabei.
1: Das war ja wohl zu erwarten.
A: Wenn du dein Handy nicht dabei hast, dann ist das ganz normal, und wenn ich mein Handy nicht dabei hab, dann war das ja wohl zu erwarten?
1: Jetzt werd nicht polemisch.
A: Ich werd nicht… Polemisch? Was heißt denn hier polemisch? Weißt du überhaupt, was polemisch bedeutet? Ich glaube nicht, dass es jetzt angebracht ist, das Wort polemisch zu benutzen.
1: Wenn unten jemand vorbei geht, dann schreien wir, der soll die Notrufnummer anrufen und Bescheid geben, dass wir hier festsitzen.
A: Falls irgendwann da unten jemand vorbei kommen sollte.
1: Warum sollte da niemand vorbei kommen?
A: Warum sollte da jemand vorbei kommen?
1: Es gibt keinen Grund sich aufzuregen.

Ach, übrigens ...

Raoul Biltgen hat 2 Mal die Drama Slam gewonnen, 2 Mal wurde er Zweiter, 2 Mal wurde er Dritter. Und das bei 6 Teilnahmen.

Ach, übrigens ...

bisher ein einziges Mal hat Raoul Biltgen Regie geführt: Im Sommer 2021 hat er sein eigenes Theaterstück „Wolf!“ für die Tiroler Volksschauspiele mit Sophie Berger inszeniert.

Ach, übrigens ...

Raoul Biltgen stand schon mal unter Mordverdacht. Dieser ließ sich aber nur für recht kurze Zeit aufrechterhalten.

Ach, übrigens ...

Raoul Biltgens Theaterstück „Die Chance nach der Letzten“ gibt es auch in niedersorbischer und obersorbischer Übersetzung. Beide wurden 2012 am deutsch-sorbischen Volkstheater Bautzen gespielt.

Ach, übrigens ...

Raoul Biltgens Theaterstücke „Nick“, „Lovemark Heidi“, „Parzival“ und „Top Kick“ gibt es in serbischer Übersetzung.

Ach, übrigens ...

Raoul Biltgens Roman „perfekt morden“ gibt es bisher als einziges seiner Werke auch als (ungekürztes) Hörbuch.

Ach, übrigens ...

wäre Corona nicht gewesen, wären in der Spielzeit 2019/2020 7 verschiedene Stücke von Raoul Biltgen in 9 verschiedenen Inszenierungen in 4 verschiedenen Ländern gespielt worden. Rekord verpasst.

Ach, übrigens ...

Raoul Biltgen ist ein später Meister. Mit 45 Jahren hat er an der Donau Universität Krems den Master of Science gemacht. Seither darf er seinem Namen drei Buchstaben anhängen. Da hat sich der Aufwand doch gelohnt.

Ach, übrigens ...

Juliane Auerböck von kulturfokus.at schrieb über die Uraufführung von Raoul Biltgens Stück „Phalli“ durch die Plaisiranstalt am TAG in Wien: „… Eine Meisterleistung der Plaisiranstalt und doch eine der merkwürdigsten Performances, die ich in letzter Zeit gesehen habe.“

Ach, übrigens ...

Raoul Biltgen hat auch schon als Werbetexter gearbeitet, als Sekretär für eine internationale Beraterfirma und er hat auf einem Rolling Stones-Konzert Bier gezapft.

Ach, übrigens ...

2008 saß Raoul Biltgen in der Jury für den GLAUSER in der Kategorie „Roman“, 2020 und 2021 ist er in der Jury für die Wettbewerbe zeilen.lauf und schreib.art. Und 2022 wird es die GLAUSER-Jury in der Kategorie „Kurzkrimi“ sein (nachdem er den Preis 2021 selbst gewonnen hat)

Ach, übrigens ...

Raoul Biltgens erster erlernter Beruf war der des Schauspielers. Dann wurde er zusätzlich Schriftsteller. Seit einigen Jahren ist er auch noch Psychotherapeut, forensischer Therapeut und Sexualtherapeut.

Ach, übrigens ...

Raoul Biltgen ist der Preisträger des niederländisch-deutschen Kinder- und Jugenddramatikerpreises 2017. Weitere drei seiner Stücken landeten in anderen Jahren auf der Shortlist.

Ach, übrigens ...

Raoul Biltgens Liebes- und Sexkolumne „Adam spricht“ gibt es auch als Buch mit ganzen 69 Einblicken in das Liebes- und Sexleben der Männer.

Ach, übrigens ...

Raoul Biltgen wurde in der Uraufführung seines Stückes „VLAD“ im TAG in Wien 2012 durch die Plaisiranstalt gleich zwei Mal getötet: einmal in der Rolle des Pfarrers, einmal als Elvis. Überlebt hat er als Vampirjäger Hagen van Helsing. Das Mädel hat er am Ende trotzdem nicht bekommen.

Ach, übrigens ...

im Jahr 2013 erschienen ganze 7 Anthologien mit Beiträgen von Raoul Biltgen. Das ist ein Rekord.

Ach, übrigens ...

Raoul Biltgens Theaterstück „I will survive“ wurde als bisher einziges Theaterstück von Raoul Biltgen auch schon außerhalb Europas, nämlich in Shanghai und in Mexiko gespielt.

Ach, übrigens ...

Raoul Biltgen hat 22 bis 23 Tattoos. Ganz so genau weiß er es selbst nicht. Ist aber auch schwer zu wissen, da sich diese Zahl immer mal wieder ändert.

Ach, übrigens ...

Jean-Michel Treinen bezeichnete Raoul Biltgens erste Buchveröffentlichung „Manchmal spreche ich sie aus“ in der Zeitung „Letzebuerger Land“ zwar „nicht als Meister-, aber als hochanständiges Gesellenstück“. Das reicht für den Anfang einer Autorenlaufbahn.

Ach, übrigens ...

Raoul Biltgen hat in einem Musikvideo der österreichischen folk noir Band Son of the Velvet Rat mitgespielt.

Ach, übrigens ...

Raoul Biltgen hat mit ein paar Freunden 2008 einen eigenen Theaterverein mit Sitz in Wien gegründet. Seither machen sie als Plaisiranstalt Theater für Kinder, Jugendliche und Erwachsene.

Ach, übrigens ...

Raoul Biltgen schrieb fast zehn Jahre lang eine wöchentliche Liebes- und Sex-Kolumne unter dem Motto „Adam spricht – über alles, was sich Frauen nicht zu fragen und Männer nicht zu sagen trauen“.

Ach, übrigens ...

Raoul Biltgen hat nicht nur in jungen Jahren Ballett gelernt, er hat auch lange vor seiner eigentlichen Karriere als Schauspieler Tanztheater gemacht.

Ach, übrigens ...

Raoul Biltgens Theaterstück „Der freie Fall“ war in der Auswahl der Eurodram 2018 und wurde in diesem Rahmen auf Griechisch übersetzt.

Ach, übrigens ...

auch Musik macht Raoul Biltgen gern. Für einige seiner Theaterstücke hat er Lieder getextet und komponiert, ab und zu nimmt er auch selbst Lieder auf, um sie zu veröffentlichen. Manche davon wurden schon im Radio gespielt.

Ach, übrigens ...

Es gibt bisher einen Text von Raoul Biltgen in spanischer Übersetzung: Den kurzen Monolog „Iván“, erschienen in „abril“ 2009. Die deutsche Fassung des Textes erschien 2007 in „einer spricht“ bei Op der Lay.

Ach, übrigens ...

seit Anfang 2021 ist Raoul Biltgen regelmäßiger Gast der Satiresendung „De gudden Toun“ auf Radio 100,7 in Luxemburg. Dort nutzt er die Gelegenheit, sich mit dem jeweiligen Thema musikalisch auseinanderzusetzen und kommt damit zu Air Play seiner Songs.

Ach, übrigens ...

Raoul Biltgens Kurzkrimi „Und dann macht es Boum“ erschien 2016 in einer kroatischen Übersetzung von Željka Gorički in „Revija malih knjizevnosti: Benelux“ bei booksa 2016

Ach, übrigens ...

die Uraufführungsproduktion von Raoul Biltgens Theaterstück „Parzival“ war für den Stella 2018 in der Kategorie „Herausragende Theaterproduktion für Kinder“ nominiert.

Ach, übrigens ...

manchmal schreibt Raoul Biltgen auch in seiner Muttersprache Luxemburgisch. Unter anderem gibt es bisher vier Theaterstücke, von denen bisher drei in Luxemburg zur Uraufführung kamen.